august/september 2015

Deutschlandbild

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ingo lehnhof: dicht
malerei

ingo lehnhof ist ein provokateur, ein maler, zeichner und illustrator, der sich ohne kompromisse dem menschen und seinem körper widmet. er ist ein virtuoser, auch ein erbarmungslos kritisch-realistischer maler, der sein talent immer wieder einsetzt, um die sinnliche erfassung des bewegten körpers, der bewegten physiognomie zwischen licht und schatten abzubilden. lehnhofs selbstinszenierungen des körpers und antlitzes haben nichts autobiographisches, sie teilen nichts von ihm persönlich mit, sondern sind als stellvertreter für uns alle zu sehen. die fülle der gesichtsfalten in seinem „deutschlandbild“ gleicht mit seinem wellen- und knautschzonen, den schwellformen und dem mäandern der gesichtslinien, einem weit verzweigten flussdelta von oben betrachtet. das gesicht ist bewegte landschaft und offenbart uns die zerbrechlichkeit der oberfläche, letztlich auch die auflösung des ichs.
ganz eindeutig aber ist die botschaft seiner bilder nie. man sieht, dass da einer den fragen und zweifeln, die ihn quälen, gestalt gibt. manchmal öffnen sich die bilder ins unheimliche. eine irrlichternde utopie bricht herein, ein namenloses jenseits, ausgeleuchtet von einem licht, das sich gerne jede unebenheit sucht.
lehnhoff will mit kunst etwas bewusst machen, fragen stellen, auch mit irritationen dinge und vorgänge fragwürdig erscheinen lassen. diese funktion der bildenden kunst, mit ihren spezifischen mitteln, sowohl das alltags- als auch das weltgeschehen hinterfragen zu können, nutzt lehnhof. ob es nun allegorien sind oder selbstinszenierungen. alles, was dem mittel dient, ein spießiges, verlogenes milieu zu kritisieren und ins exemplarische vorzustoßen, sei es die mentalität zwischen kleinmut und größenwahn, seien es opportunismus und verstrickung, das interessiert ihn.

ausstellungsdauer: 21. 8 – 13. 9.2015
eröffnung: 21.8.2015, 19.00 Uhr
öffnungszeiten:
freitags 19-20.30 Uhr
sonntags 14 – 16 Uhr

 Sondertermin am 5.September 2015 um 18.30 Uhr:
Verleihung des Kunstpreises der j3fm Vorstandsjury an Ingo Lehnhof.
(Zinnober-Wochenende)

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